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Eine junge Frau mit sehr blondiertem Haar hielt zahme Drachen, Untote trabten auf Schimmeln Richtung Süden und alle redeten davon, dass bald der Winter käme.

Als ich mich schließlich widerwillig von der Couch erhob, vergaß ich den HBO-Streifen, in dem ich mich verpuppt hatte.

Erst ein Jahr später dachte ich wieder daran. Draußen herrschten Minusgrade und ich stand in einer anderen Stadt in einem Eckladen mit Backwaren und Meze. Vor mir griff der Thronerbe von Westeros nach einer Butterbreze. 

Groß und bärtig, schön, sah er mich freundlich an. Ich glaube nicht an Auren, aber seine wäre dunkelrot und goldfarben.

»Ein Winterkind«, bemerkte er.  

Ich nickte. Und wollte plötzlich weinen.

Wir waren beide fremd, ich mit meinem Körper, der schon jemand anderes Zuhause war, und er hier, hinter der Bäckertheke. 

Von nun an kam ich jeden Tag.  

Irgendwann erzählte er, dass er noch mal Vater werden wolle. Seinem Sohn sei er, damals noch zu jung, bestenfalls ein Freund gewesen. Ich spürte, wie das Kind in meinem Bauch herumturnte. 

Nach Neujahr fiel meterweise Schnee. 

Die ganze Stadt versank darin und unser LoHas-Viertel war wie leergefegt. Ich lauschte auf das Schlagen eines Kinderherzens. 

Als der Schnee schmolz, stapfte ich in Moonboots und mit Tragetuch die Straße lang, zur Bäckerei. Er gab mir einen Geldschein für das Neugeborene und sagte einen Segensspruch. Ich verstand ihn nicht, aber er klang nach einer alten Macht, deren Gunst das kleine warme Leben sicher brauchen konnte. 

Das Frühjahr über half ihm ein schmaler Junge in der Bäckerei, den ich auf fünfzehn, höchstens sechzehn Jahre schätzte und nicht sonderlich geschickt fand.

Ich sah den dünnen Jungen vor mir und entschied, dass ich nicht weiter fragen würde. 

Eine Weile aß ich keine Brezn mehr. 

Als ich wieder in den Laden ging, war er nicht mehr da. 

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„Und was sagen Sie zu der neuen Küche?“, fragt Frau D., an mich gewandt. Frau D. ist Therapeutin und wir bilden ein Dreieck in dem hellen kleinen Raum im Bahnhofsviertel, sie, mein Freund und ich.

Nach einer Pause höre ich mich sagen:

„Früher, wenn ein Deich gebaut wurde, am Meer, haben die manchmal einen kleinen Hund geopfert. Lebendig haben die den in die Deichgrube geworfen. So fühlt sich das an. Als hätten wir etwas Lebendiges geopfert. Wieviel wir gestritten haben.“

Später, bei den Rädern, fragt er: „Warum hast du das gesagt?“

Dann sagt keiner mehr etwas.

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Es war am letzten Sonntag. Ein Septemberabend, wo der Himmel aussah wie mit Farbfilter, mit diesem sanften unwirklichen Glow, und in der Luft stand Restwärme. Die Füße taten mir ein bisschen weh, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass irgendwann mal alles schlecht ausgeht.

Im ICE aus der niedersächsischen Provinz nach München standen Leute in den Gängen, eine Mutter schaukelte mit immer gleichem Schwung ihr Kind, ich dachte an ein Metronom. Niemand redete, es war zu eng und alle waren müde. Viele trugen die Uniform der Bundeswehr.

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